GirlsDay – eine Antwort auf die Diskriminierung

Seit 2001 gibt es den GirlsDay, an dem die Mädchen lernen sollen, dass es neben Friseuse, Fußpflegerin und Erzieherin auch Berufe gibt, in denen sie genügend Geld verdienen können, damit sie weder von einem Ehemann noch von staatlichen Leistungen abhängig sind. Inzwischen ist daraus ein Kampf um die besten Kräfte geworden: Dort, wo mehr Jungs, also Männer, arbeiten, wird besser bezahlt. Arbeiten also mehr Männer in den bisher schlechter bezahlten sozialen Berufen, dann werden diese somit aufgewertet. Die Wirtschaft hat ebenfalls gemerkt, das die Mädchen mehr können, als sich die Fingernägel zu lackieren und die Locken zu drehen.

Das Problem ist: Schulabbrecher und Hauptschüler bleiben dabei auf der Strecke und finden weder Ausbildungs-, noch Arbeitsplatz. Ob mit oder ohne GirlsDay oder BoysDay.

Seitdem in Grund- und anderen Schulen fast nur noch Frauen als Lehrerinnen arbeiten und unterrichten, sind Mädchen im Unterricht sicherlich sehr viel weniger benachteiligt, als früher, als es in den 70er Jahren noch als Zeitverschwendung galt, wenn Mädchen eine Ausbildung machen wollten, weil sie ja ohnehin heiraten und Kinder kriegen würden.

Heutzutage sind in der Schule eher die Jungs benachteiligt, die stören, zappeln, schwätzen, auffällig sind, sich nicht konzentrieren können und so weiter. Lehrerinnen waren auch mal Mädchen, als sie klein waren – deswegen kennen sie sich eher mit Mädchen aus und deswegen werden Jungs eher als störende Problemfälle wahrgenommen.

Allerdings geht es heutzutage gar nicht mehr darum, Mädchen oder Frauen zu fördern. Sondern es geht um „gender mainstreaming“: Damit soll nicht die Lage der Menschen geändert werden, also die Chancen der Mädchen und anderer benachteiligter Menschen verbessert werden, sondern die Menschen selbst sollen geändert werden. Mit dem Wort Gender wird die Rolle beschrieben, die jeder erlernt hat, weil er oder sie nun einmal als Mädchen oder Junge geboren wurde. Dahinter steht die Vorstellung, dass Frauen und Männer nur deswegen unterschiedlich sind, weil sie es so gelernt haben, weil sie so erzogen wurden. 1949 schrieb Simone de Beauvoir: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“

Die Politik findet neuerdings diese Idee gut. Wenn das Geschlecht also nur erlernt ist, dann kann man das auch ändern. Damit in Zukunft alle wirklich gleich berechtigt sind. Soll es also darum gehen, dass auch Mädchen künftig im Stehen pinkeln und Jungs weinen können? Doch genau genommen geht es oft nur darum, jetzt den Jungs jene Dinge schmackhaft zu machen, wie beispielsweise die sozialen Berufe. Und dafür sollen die Mädchen künftig die Chefetagen erobern, denn sie werden ja vor den sozialen Berufen gewarnt, in denen sich weder genügend Geld verdienen, noch Karriere machen lässt.

Wer genau hinguckt, sieht ganz deutlich, dass es trotz einer Frau als Kanzlerin noch lange keine Gleichberechtigung für Frauen gibt: In den Vorständen der 30 deutschen Dax-Unternehmen ist keine Frau. Männer verdienen oft mehr als Frauen für die gleiche Tätigkeit und in gleichen Positionen. Doch statt eben diese Benachteiligung zu beseitigen, Frauen und andere zu fördern, will der Staat gleich alle umerziehen. Ob Frauen allerdings mit einem Motorsägenführerschein geholfen ist, weil die Männer jetzt zu Hause die Kinder wickeln?

Es ist sinnvoll, wenn dafür gesorgt wird, dass die Kinder gut untergebracht sind, weil die Mutter arbeiten möchte und sich somit Beruf und Familie miteinander vereinbaren lässt. Nicht so wie früher, als die Frauen zu Hause blieben, wenn sie verheiratet waren und Kinder bekamen. Nein, heute sollen möglichst alle arbeiten, ob Mann oder Frau. Dann bekommt der Staat mehr Steuern und die Betriebe haben mehr Menschen zur Verfügung, welche die Arbeit machen. Gehen alle Frauen arbeiten, dann freut sich der Staat über die Arbeitskräfte und die gezahlten Steuern.

Damit das nicht so auffällt, sollen eben alle gleich werden, egal ob sie Mann, Frau oder beides zugleich sind. Gender behauptet, dass es ein biologisches Geschlecht nicht gebe. Wer also nach der Geburt das Baby als „Junge“ oder „Mädchen“ bezeichnet, könnte diese auch anders benennen, vielleicht nach Gewicht oder Größe. Diese Zuschreibung der geschlechtlichen Identität sei bereits eine ausgeübte Gewalt, welche überwunden werden muss. Sogar der Europarat in Straßburg möchte dafür sorgen, dass alle gleich werden und empfiehlt, in den Behörden eine „nicht sexistische Sprache“ zu verwenden.  Denn Sprache verfestige traditionelle Rollenbilder und verhindere die Gleichstellung der Geschlechter. Statt Vater oder Mutter sollen diese als „Elter“ oder „Elterteil“ bezeichnet werden. Und das Lehrerzimmer soll auch dann Pausenraum genannt werden, wenn nur noch Lehrerinnen darin ihre Pausen verbringen.

Doch letzten Endes geht es nur um eines: Frauen sollen arbeiten gehen. In jedem Fall. Sie sollen auch nicht dann zu Hause bleiben, wenn sie Kinder bekommen. Weil sonst die „human resources“ von Frauen für die Wirtschaft nicht genutzt werden kann.

Und daher beseitigt der GirlsDay keine Ungleichheit, sondern drängelt die Mädchen dazu, unbedingt arbeiten zu gehen, auch in Berufen, die sie bisher nicht so im Blick hatten. Das ist auf der einen Seite gut: Sie verdienen ihr eigenes Geld und sind somit unabhängig von einem Mann. Auf der anderen Seite wundert sich die Politik, dass immer weniger Kinder geboren werden. Ach.

http://miriamhubele.wordpress.com/: GirlsDay ist Diskriminierung.

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